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20.11.2013 08:57 Alter: 4 yrs

Die artgerechte Ernährung des Menschen

Auf der Suche nach der idealen Ernährung für die Erhaltung von Gesundheit, Normalgewicht und Leistungsfähigkeit werden in den Medien verschiedene Ernährungskonzepte propagiert. Dabei beanspruchen es einige, z. T. konträre Kostformen...


Auf der Suche nach der idealen Ernährung für die Erhaltung von Gesundheit, Normalgewicht und Leistungsfähigkeit werden in den Medien verschiedene Ernährungskonzepte propagiert. Dabei beanspruchen es einige, z. T. konträre Kostformen für sich, artgerecht zu sein, d. h., der Natur des Menschen zu entsprechen.

Immer wieder fallen dabei die Begriffe vegetarische Ernährung, Rohkost, Steinzeiternährung (Paleofood), Fleischfresserauslese oder Blutgruppendiät. Für jede dieser Kostformen gibt es logische und nachvollziehbare Argumente, die den Interessenten überzeugen können. Von anderer Seite werden kritische Begründungen angeführt, welche die Bedeutung der Kostformen relativieren bzw. in Zweifel stellen.

Zum Teil basieren die Empfehlungen auf evolutionären Aspekten. Demnach soll sich der Mensch während seiner Genese in Jahrmillionen oder Jahrtausenden genetisch an eine bestimmte Nahrung angepasst haben. Artgerechte Ernährung entspricht demnach der Nahrungsauswahl, welche von unseren Vorfahren während dieser Anpassung in freier Natur praktiziert worden ist. Nach dem Motto “leben von und mit der Natur“ würden sich demnach viele der heutigen Zivilisationserkrankungen vorbeugen oder therapieren lassen.

Die Logik scheint schlüssig: Weg von hoch verarbeiteten Industrieprodukten und zurück zu unseren genetischen (Ernährungs-)Wurzeln als Basis für eine gesunderhaltene Ernährung. So einfach dieses Konzept klingt, so komplex ist es jedoch. Denn die EINE artgerechte Ernährungsweise, die allen Menschen nutzbringend ist, gibt es nicht.

Entsprechend der „out of africa“-Hypothese liegt die Wiege der Menschheit im ostafrikanischen Graben als Teil des afrikanischen Grabenbruchs. In dieser Region sollen sich unsere Vorgänger wie Australopithecus, Homo habilis, Homo erectus entwickelt und schließlich als Homo sapiens die Welt erobert haben. Über eine Enge des roten Meeres gelang es Homo sapiens nach Asien und Europa einzuwandern. Im nordöstlichen Asien war über die gefrorene Beringstraße der Weg nach Nordamerika und nachfolgend nach Südamerika frei. Vom südostlichen Teil Asiens drang der Mensch in Richtung Australien und Neuseeland vor. Auf seiner Jahrtausende dauernden Wanderung durchquerte Homo sapiens verschiedene Klimazonen. Während ein Teil der Menschen weiterzog, verblieb ein anderer Teil in bestimmten Regionen zurück.

In Abhängigkeit der klimatischen und regionalen Bedingungen änderte sich dabei das Nahrungsangebot. In äquatorialen Tropenregionen gab es reichlich pflanzliche Nahrung und Insekten. Im Norden von Europa, Asien und Amerika war pflanzliche Nahrung, vor allem im Winterhalbjahr, begrenzt. Die Menschen lebten hauptsächlich von erjagten Säugetieren und gefangenem Fisch (z. B. Inuit). Dadurch war die Ernährung stark protein- und fetthaltig sowie kohlenhydratarm. In den Anden ernährten sich die Menschen (z. B. Anden-Indianer) überwiegend von stärkehaltigen Knollen, so dass die Ernährung stark kohlenhydrathaltig, aber protein- und fettarm war.

In jeder dieser Regionen siedelte der Mensch und entwickelte sich biologisch, sozial und kulturell weiter. Dabei überlebten nur die Menschen und gaben ihre Gene an nachfolgende Generationen weiter, welche mit dem vorherrschenden Nahrungsangebot zurechtkamen.

Diese biologische Auslese könnte als Ursache für die genetische Anpassung des Menschen an die ursprüngliche Nahrungsverfügbarkeit in seiner Region angeführt werden. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Frage nach der artgerechten Ernährung des Menschen nicht mit einer Kostform beantworten lässt. Vielmehr müsste hinterfragt werden, aus welcher Region ein Mensch kommt bzw. kam und wie dort die Nahrungsverfügbarkeit in der evolutionären Hauptprägungszeit beschaffen war.

Die Zuordnung von Ernährung und Region dürfte jedoch nur bei den Menschen nutzbringend sein, welche ihrer genetischen Abstammung nach einwandfrei einer bestimmten Region zuzuordnen sind. Infolge der Globalisierung mischen sich die Erbanlagen der Menschen und eine einwandfreie Zuordnung ist nicht mehr möglich. Wie sollte sich z. B. der Nachkomme von einem Inuit (Eskimo) und einem Anden-Indianer ernähren, um artgerechte Kost zu praktizieren?

Diese Erklärung macht ersichtlich, dass Ernährungsberatung immer wieder eine erneute Herausforderung auf individueller Ebene darstellt. Im Zusammenwirken von Berater und Klient werden Lösungswege gesucht, umgesetzt und nach Bedarf korrigiert.