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06.09.2013 11:44 Alter: 5 yrs
Kategorie: Aktuelles

„Ich esse wenig und bin trotzdem übergewichtig!“

In der klassisch-konservativen Ernährungslehre wurde diese Aussage nicht akzeptiert. Eine Ausrede der Betroffenen, die noch lange nicht als Beweis gelten konnte, die Bedeutung der Energiebilanz in Frage zu stellen ...


In der klassisch-konservativen Ernährungslehre wurde diese Aussage nicht akzeptiert. Eine Ausrede der Betroffenen, die noch lange nicht als Beweis gelten konnte, die Bedeutung der Energiebilanz in Frage zu stellen:

„Übergewicht war und ist das Resultat einer überhöhten Energiezufuhr, unabhängig davon, welche subjektive Wertung übergewichtige Personen vornehmen. Mit einer Energiezufuhr von angeblich weniger als 1500 kcal täglich kann bei Gesunden wohl kaum Übergewicht induziert werden. Diese Energiemenge genügt zur Deckung des Grundumsatzes aus.“  

Auch die Überprüfung der Energiezufuhr mithilfe von Ernährungsprotokollen war kein geeignetes Mittel, die Aussage der Übergewichtigen zu bestätigen:

„Häufig erfolgt in Ernährungsprotokollen bewusst oder unbewusst ein Protokollierungsfehler. Je unzufriedener Personen mit dem eigenen Erscheinungsbild sind, desto größer ist die Differenz zwischen der im Protokoll erfassten und der tatsächlich verzehrten Essmenge. D. h., es liegt Underreporting vor, die Personen schreiben zu geringe Verzehrsmengen auf.“

Selbstverständlich sind diese Gegendarstellungen nachvollziehbar und in den meisten Fällen auch korrekt. Vergleicht man Analyseergebnisse von Ernährungsprotokollen mit genaueren Messverfahren wird der Protokollierungsfehler in der Regel ersichtlich. Die Ableitung: Übergewichtige essen zu viel und reden sich ihren Misserfolg nur schön.

Allerdings gilt diese konservative Sichtweise nicht mehr uneingeschränkt. Untersuchungen zeigen, dass es tatsächlich Übergewichtige gibt, die bezogen auf ihr Körpergewicht verhältnismäßig wenig Energie aufnehmen, ohne dass Veränderungen im Gewicht zu verzeichnen sind.

Interessanterweise ist die Begründung für die beschriebene Situation recht einfach. Die Betroffenen weisen ein stark ausgeprägtes Fettgewebe und einen unterdurchschnittlichen Muskelmasseansatz auf. D. h., zu wenig Muskelmasse, zu viel Fettgewebe.

Das Fettgewebe benötigt deutlich weniger Energie als das Muskelgewebe. Dadurch kann mit einer bestimmten Menge Energie mehr Fettgewebemasse als Muskelgewebemasse am Leben erhalten werden. Eine verhältnismäßig geringe Energiezufuhr reicht demnach aus, Körper mit überdurchschnittlichen Fettgewebemassen ausreichend mit Energie zu versorgen, ohne dass dabei ein Energiedefizit entsteht.    

Der geringe Muskelansatz hat zwei Ursachen: Die Muskelmasse ist im Laufe der Jahre abgebaut wurden oder die Personen haben von vornherein überdurchschnittlich viel Fettgewebe statt Muskelgewebe aufgebaut. Beide Ursachen sind ernährungs- und sportbedingt zu erklären. Vor allem eiweißarme Ernährung trägt als wesentlicher Faktor zu dem beschriebenen Problem bei.