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06.09.2013 11:58 Alter: 4 yrs
Kategorie: Aktuelles

Insulinresistenz ist nicht gleich Insulinresistenz

Wenn mit einer Mahlzeit betont Kohlenhydrate zugeführt werden, steigt der Blutzuckerspiegel an. Dieser Blutzuckeranstieg ist ein Signal für die Bauchspeicheldrüse, das Hormon ...


Wenn mit einer Mahlzeit betont Kohlenhydrate zugeführt werden, steigt der Blutzuckerspiegel an. Dieser Blutzuckeranstieg ist ein Signal für die Bauchspeicheldrüse, das Hormon Insulin auszuschütten. Insulin gelangt über den Blutweg zu den Muskelzellen. Angekommen an den Blutzellen bindet das Insulin an die Insulinrezeptoren. Dadurch werden im Inneren der Muskelzelle gelagerte Glucosetransporter an die Oberfläche der Zelle gebracht. Durch diese Transporter kann der Zucker aus dem Blut in die Zelle gelangen, worauf der Blutzuckerspiegel absinkt.

Bei einer Insulinresistenz reagiert die Muskelzelle zunehmend schlechter auf das Insulin. Diese Situation tritt u. a. ein, wenn jahrelang überhöht Kohlenhydrate – vor allem Weißmehlprodukte – mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Insulinresistenz geht häufig mit der Entwicklung des Diabetes mellitus Typ 2 einher. Daher wird die Insulinresistenz im Allgemeinen als gesundheitliche Störung mit negativen Folgen bewertet.

Allerdings treten insulinresistenzähnliche Veränderungen im Stoffwechsel auch in anderen Situationen ein, die nicht grundsätzlich als gesundheitsgefährdend betrachtet werden können. Ganz im Gegenteil kann die Insulinresistenz dabei sogar als Mechanismus zum Überleben betrachtet werden.

Im Prinzip können alle Situationen zur Insulinresistenz führen, bei denen verstärkt Körperfett und/oder Nahrungsfett abgebaut werden. Der verstärkte Abbau von Fett zur Energiegewinnung setzt im Hunger, beim Ausdauersport und bei kohlenhydratarmer Ernährung ein. Die freigesetzten Fettsäuren hemmen dabei die Funktion der Insulinrezeptoren. Allerdings besteht keine Gefahr, dass sich Diabetes entwickelt, da der Blutzuckerspiegel im Hunger, beim Ausdauersport und bei kohlenhydratarmer Ernährung niedrig ist. Die Insulinresistenz bewirkt, dass die nun lediglich in geringen Mengen vorhandene Glukose an den Muskelzellen vorbeigleitet wird und für die Gewebe und Organe zur Verfügung steht, die diese dringend benötigen. Die Muskelzelle selbst kommt ohne Glucose aus und kann problemlos mit Fettverbrennung leben und arbeiten.

Ohne Glucose würden das Gehirn, die Augen, die Nieren und die roten Blutzellen irreversible Schädigungen erfahren, die lebensbedrohlich sein könnten. Damit diese Gefahr bei geringer Glucoseverfügbarkeit nicht eintritt, wird die Glucosaufnahmefähigkeit der Muskulatur mithilfe der Insulinresistenz abgeschaltet. Somit kann die Muskulatur dem Gehirn, den Augen, den Nieren und den roten Blutzellen nicht als „Zuckerdieb“  gegenüberstehen.

Dieser Mechanismus macht es z. B. möglich, dass Ausdauersportler auch dann unbeschadet weiter laufen oder Radfahren können, wenn die Kohlenhydratspeicher der Muskulatur verbraucht sind. Die überlebenswichtigen Zuckermengen für Gehirn, Augen, Nieren und rote Blutzellen stellt die Leber selbst her. Damit ist der Körper des Menschen von der Kohlenhydratzufuhr mit der Nahrung unabhängig.      

              

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