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06.09.2013 11:47 Alter: 4 yrs
Kategorie: Aktuelles

Kohlenhydratarme Ernährung und Blutfettwerte

Kohlenhydratarme Ernährungsformen können therapeutisch vielseitig eingesetzt werden. Gesundheitliche Verbesserungen wurden z. B. bei Epilepsie, Diabetes mellitus Typ 2, ...


Kohlenhydratarme Ernährungsformen können therapeutisch vielseitig eingesetzt werden. Gesundheitliche Verbesserungen wurden z. B. bei Epilepsie, Diabetes mellitus Typ 2, bestimmten Krebs- und Hauterkrankungen, Bluthochdruck und Übergewicht erzielt. Bzgl. der Effekte auf die Blutfettwerte geht die Meinung der Wissenschaftler jedoch auseinander. Konservative Fachkräfte und Ernährungsgesellschaften sprechen von einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“), dass von kohlenhydratreduzierten Kostformen ausgehen soll. Dem widersprechen andere und weisen auf eine Fehlinterpretation der vorliegenden Untersuchungsdaten hin.

Fett und Cholesterin werden im Blut in Form der Lipoproteine transportiert. Liporoteine sind kugelförmige Gebilde, in denen die Fette mit speziellen Proteinen verpackt sind. Bei den Lipoproteinen werden verschiedene Formen unterschieden. Zu Erklärung werden hier nur die themenbezogenen benannt:

VLDL – Dieses Lipoprotein enthält viele Triglyceride. Große Mengen im Blut erhöhen das Diabetes- und Herzinfarktrisiko. Der Arzt spricht von erhöhten Triglyceridwerten.

LDL – Das „böse Cholesterin“ kann sich in den Blutgefäßen ablagern und Gefäßverkalkung verursachen. Große Mengen im Blut erhöhen somit das Herzinfarktrisiko. Der Arzt spricht von einem erhöhten Cholesterinspiegel.

HDL – Das „gute Cholesterin“ transportiert überschüssiges Cholesterin aus dem Blut in die Leber. In der Leber wird das Cholesterin abgebaut. Das HDL senkt dadurch das Herzinfarktrisiko.  

Typisch für die Umstellung auf kohlenhydratreduzierte Ernährung sind der Anstieg des HDL-Cholesterins und die Verminderung der Lipoprotein-Triglyceride. Dadurch wird das Diabetes-, Herzinfarkt- und Hirnschlagrisiko gesenkt, was als positive Entwicklung zu werten ist. Bzgl. des LDL-Cholesterins gehen die Beobachtungen auseinander: In einigen wissenschaftlichen Studien sinkt es, in anderen Studien steigt es im Blut an. Der Anstieg wird mit einem erhöhten Gefäßverkalkungs- und Herzinfarktrisiko gleichgesetzt.

Bei genauer Betrachtung ist allerdings festzustellen, dass der Anstieg des LDL, wenn er tatsächlich eintritt, nicht grundsätzlich mit einem erhöhten Gefäßverkalkungs- und Herzinfarktrisiko einhergehen muss.

Vom LDL gibt es Unterklassen, die sich durch unterschiedliche Größen kennzeichnen. Kleine LDL-Kügelchen sind besonders gefährlich, da diese ungehindert zwischen den Zellen der Blutgefäße hindurch gelangen und sich anschließend ablagern können. Wachsen die Ablagerungen stark an, verstopft das Gefäß. Große LDL-Kügelchen hingegen passen weniger gut zwischen den Zellen hindurch. Ablagerungen können somit nicht oder nur in geringerem Ausmaß entstehen.

Bei der Umstellung auf kohlenhydratarme Ernährung verändert sich die Gesamtanzahl der LDL-Kügelchen nicht. Allerdings sinkt der Anteil kleiner LDL-Kügelchen, während sich der Anteil großer LDL-Kügelchen erhöht. D. h., die gefährlichen kleinen LDL-Kügelchen werden durch die deutlich weniger gefährlichen großen LDL-Kügelchen ersetzt. So kann bei konstanter Anzahl an Kügelchen die Gesamtmasse an LDL ansteigen. Von einem Anstieg des Gefäßverkalkungs- und Herzinfarktrisiko kann daher trotz „Anstieg“ der LDL-Konzentration im Blut nicht gesprochen werden.  Im Gegenteil sinkt das Risiko ab.

Aber selbst wenn das LDL teilchen- und mengenmäßig eine Erhöhung erfahren würde, ist es kein alleiniger Faktor, der den Herzinfarkt begünstigt. Hohe HDL-Werte, ein günstiges Verhältnis von LDL zu HDL, niedrige Triglyceride, regelmäßiger Sport, bedarfsgerechte Ernährung, ausreichender Schlaf, Erhalt des Normalgewichtes, Nikotinabstinenz etc. wirken Blutgefäßerkrankungen und den Folgen entgegen.               

Aktuell werden die Unterklassen bzw. die unterschiedlichen Größen der Lipoproteine nicht in der Bewertung der Blutfettwerte und des Herzinfarktrisikos berücksichtigt. Dadurch ergibt sich ein entsprechender Fehler in der Definition des individuellen Risikos, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Damit können auch bisherige Bewertungen der Blutfettwerte in Abhängigkeit der Ernährung im Allgemeinen in Frage gestellt werden. Quantität und Qualität der Lipoproteine bedürfen differenzierter Betrachtung, um eine seriöse Aussage treffen zu können.  

              

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