Wie gesund ist Meeresfisch? >
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06.09.2013 11:45 Alter: 4 yrs
Kategorie: Aktuelles

Sozialstatus und Körpergewichtsentwicklung

Übergewicht, Adipositas und deren gesundheitliche Folgen haben in den letzten Jahren rasant zugenommen. Neben den Industriestaaten sind auch zunehmend Schwellenländer von diesem Problem betroffen ...


Übergewicht, Adipositas und deren gesundheitliche Folgen haben in den letzten Jahren rasant zugenommen. Neben den Industriestaaten sind auch zunehmend Schwellenländer von diesem Problem betroffen.

Selbstverständlich obliegt es jeder Person selbst auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Wer das nicht möchte, muss die gesundheitlich negativen Folgen in Kauf nehmen. Diese Sichtweise wäre unproblematisch, wenn nicht die Gemeinschaft in Form des Sozialsystems für die Behandlung der Betroffenen aufkommen müsste: Die Verantwortung, die der Einzelne gegenüber sich selbst nicht zeigen will oder nicht zeigen kann, wird in der Bundesrepublik Deutschland somit zum gesellschaftlichen bzw. volkswirtschaftlichen Problem.

Die Behandlung erkrankter Personen wird über gesetzliche und private Krankenkassen sichergestellt. Infolge der zunehmenden Anzahl behandlungbedürftiger Übergewichtiger kommen die Krankenkassen in Finanzierungsnöte. Das was noch bis vor wenigen Jahren als unmöglich erschien, ist nun Realität: Einige wenige Krankenkassen mussten den Betrieb bereits einstellen. Die Ausgaben lagen höher als die eingehenden Beiträge. Andere Krankenkassen werden folgen.     

Die volkswirtschaftliche Überlastung ruft die Politik auf den Plan, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Im Rahmen gesundheitspolitischer Bestrebungen werden dabei Leitlinien, Grundsätze, Qualitätsmanagementsysteme, Konsensuspapiere, Roadmaps etc. erstellt und in heroischen Ansprachen in die Gesellschaft getragen. Darin beschrieben wird mit viel fachmännischem Tamtam und Studienbelegen, wie die Betreuung Übergewichtiger zu erfolgen hat und welche Aspekte bzgl. Ernährung, Bewegung und Psychologie zu beachten sind. Ganz vorn dabei sind die Ernährungs- und Gesundheitsfachgesellschaften. Aber auch die Bundesregierung insbesondere dem Gesundheitsministerium sparen nicht mit Aktionsplänen und Schriftstücken zur Bekämpfung der Adipositas.

Übergewicht und Adipositas sind ein Problem, welches überwiegend in den sozial schwächeren Schichten auftritt. Wachsen Kinder und Jugendliche in einem sozial schwierigen Umfeld auf, bleibt auch häufig deren Bildungsniveau begrenzt. Als Folge können nur Jobs angenommen werden, die geringe Einkommen ermöglichen. Bei geringen Einkommen werden gewöhnlich billige und energiereiche stärke-, fett- und zuckerhaltige Lebensmittel bevorzugt. Obst, Gemüse, Fisch, Nüsse etc. bleiben in den Regalen liegen.

Nun kommen die schlauen Experten und empfehlen Aufklärung: Lebensmittelkennzeichnung, Ernährungsberatung und Betreuungsprogramme sollen zur gesunderhaltenden Lebensmittelauswahl beitragen. Dadurch ändern sich aber Bildungsniveau, Jobs und Einkommen der Betroffenen nicht. Zudem ist die Ernährungsberatung bzgl. der Kosten für viele nicht erschwinglich. Das Problem bleibt bestehen.

Folgt man der Logik, müssten folgende Maßnahmen eingeleitet werden:

  • Umsiedlung sozial schwächer Aufgestellter in Wohngebiete mit höherem Sozialniveau.
  • Verbesserung von Ausbildung und Lehre mit dem Ziel höherer Abschlüsse.
  • Bereitstellung gutbezahlter Jobs bzw. Erhöhung der Löhne.

Untersuchungen zeigen, dass sozial schwächer gestellte Personen infolge der benannten Maßnahmen deutliche Verbesserungen im Gesundheitsverhalten erzielen können. Dadurch könnte auch den Problemen bzgl. Übergewicht und Adipositas Einhalt geboten werden.

Die Realität sieht anders aus. Löhne werden gekürzt oder Lohnerhöhungen fallen der Inflation zum Opfer. Jobs mit hohem Verantwortungsgrad werden häufig nach sozialer Herkunft und über Beziehungen, selten jedoch nach Leistung und Können vergeben. Das Bildungssystem Deutschlands verfällt seit Jahren infolge Sparmaßnahmen und Machtkämpfen zwischen Politikern. In den Großstädten kommt es zunehmend zur Gettobildung, da sozial Schwächere in besseren Wohngegenden nicht bestehen können. Dem Mittelstand – als Triebmotor und Entwickler der Gesellschaft – wird zunehmend die Finanzkraft und Entscheidungsfähigkeit genommen. Somit rutschen Mittelständler im Sozialstatus ab und die Schicht der Nichtsbesitzenden wächst kontinuierlich. Beste Voraussetzungen also, die Anzahl Übergewichtiger und Adipöser anwachsen zu lassen, statt reduzieren zu können.

Nur gut, dass es die unzähligen „wissenschaftlich hochwertigen“ Leitlinienpapiere gibt, die der Adipositas garantiert den Garaus machen werden. Die Adipösen Müller, Schmidt und Kunze von nebenan, die als Verkäufer, Putzkraft und Paketpacker im Monat mit 400 bis 800 Euro brutto auskommen müssen, werden mit Sicherheit davon profitieren.